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29. Juni 2020

Wer A wie Artenvielfalt sagt, muss auch B wie Biogas sagen

Quelle: www.biogas.org

Freising - „Mit Biogas haben wir die einmalige Chance, Artenvielfalt und Insektenschutz unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu realisieren“, erklärt der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide, zum heutigen Start der AKTIONSWOCHE ARTENVIELFALT. Zusammen mit vielen verschiedenen Verbänden und Organisationen macht der Fachverband Biogas vom 29. Juni bis 3. Juli darauf aufmerksam, dass Energiepflanzenfelder bunt und artenreich sein können – und es häufig schon sind.


Auf insgesamt 1,55 Mio. Hektar werden in Deutschland aktuell Energiepflanzen für den Einsatz in Biogasanlagen angebaut. Das sind knapp 13 Prozent der Ackerfläche. Etwa 33,4 Terawattstunden klimafreundlichen Strom produzieren die gut 9.500 Anlagen und decken damit den Bedarf von rund 9,5 Mio. Haushalten.

Neben Gülle und biogenen Abfällen sind es v.a. Energiepflanzen, die in den Anlagen vergoren werden. Ergänzend zum Mais werden zunehmend alternative Energiepflanzen für Biogasanlagen angebaut – mit Vor- und Nachteilen für die Betreiber, für die Bevölkerung und für die Wildtiere und Insekten.

„Eine bunte Blumenwiese sieht natürlich schöner aus als ein Maisfeld und bietet unseren heimischen Wildtieren und Insekten Lebensraum und Nahrungsquelle“, unterstreicht Seide, gibt aber zu bedenken: „Für den Betreiber einer Biogasanlage bedeutet der Anbau von Blühflächen statt Mais Einnahmeverluste aufgrund der geringeren Gasausbeute pro Hektar.“

Viele Landwirte verzichten trotzdem freiwillig auf einen Teil ihrer Einnahmen und bauen alternative Energiepflanzen an. Mit der Durchwachsenen Silphie hat die Branche für manche Regionen eine auch ökonomisch passable Alternative gefunden. Die mehrjährige Becherpflanze blüht von Juni bis September und kann ähnliche Gaserträge pro Hektar erreichen wie der Mais.

In verschiedenen bundesweiten Projekten wird außerdem der Anbau einer Mischung verschiedener mehrjähriger Blühpflanzen für Biogasanlagen getestet. Untersuchungen zeigen dort ein deutlich höheres Aufkommen an Insekten, Vögeln und Wildtieren als in klassischen Anbausystemen. Die Realisierung der Projekte funktioniert allerdings nur mit finanzieller Unterstützung. „Da sind wir an einem Punkt, über den wir reden müssen“, sagt der Verbandspräsident. Man dürfe die Landwirte nicht allein lassen mit einem Problem, das uns alle angeht. Artenvielfalt und Insektenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch finanziell honoriert werden müsse, fordert Seide.

Dass viele Biogasanlagen-Betreiber bereit sind, insektenfreundliche Pflanzen anzubauen, zeigt nicht zuletzt die „Bienenstrom“-Aktion der Stadtwerke Nürtingen, bei dem ein Cent pro Kilowattstunde an den Landwirt geht, der auf blühende Energiepflanzen umsteigt. Es gibt allerdings weitaus mehr Landwirte, die mitmachen würden, als Stromkunden, die einen Cent Aufpreis zahlen wollen, weiß Seide.

Insgesamt kann Biogas an vielerlei Stellen dazu beitragen, eine attraktive Kulturlandschaft in Deutschland zu erhalten oder wieder zu etablieren. Dies gilt nicht zuletzt auch für die Pflege von Grünlandflächen. Gerade in Bergregionen sinkt die Tierzahl immer weiter und Biogasanlagen-Betreiber übernehmen zunehmend die Aufgabe, diese Flächen zu beernten und damit vor der Verstrauchung zu bewahren.


 

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